Die Geschichte
Die archeologischen Ausgrabungen beweisen, dass der Gebirgsausläufer bereits im 10.-13. Jahrhundert besiedelt wurde. Hier führten alte Handelswege aus Litoměřice nach Lausitz. Eine bedeutendere Rolle begann Úštěk erst im 14. Jh. zu spielen, als das Dorf Úštěk unter den Herren von Michalovice zu einer Stadt umgestaltet wurde und die Stadtrechte erwarb. Das Datum der Erklärung zur Stadt ist urkundlich nicht belegt, wahrscheinlich war es im Jahre 1361. Der Stadtkern liegt heute, wie in den Jahren der Gründung der Ansiedlung, in dem breitesten Teil des Gebirgsausläufers, wo heute die St. Peter und Paul Kirche steht. An dieser Stelle stand inmitten eines Friedhofes die kleine evan-gelische St. Michaels-Kirche und in der Umgebung gab es hölzerne Häuser.
Die Herren von Michalovice verpfändeten Úštěk im Jahre 1387 wegen Schulden an die Herren Berkové aus Dubá. Die setzten den Bau der Stadt und deren Befestigung fort. Es wurden die Stadttore gebaut im Osten das deutsche, im Westen das böhmische Tor. Hinter den Toren entstanden entsprechend deren Namen, die deutsche und die böhmische Vorstadt. Ende des 14. Jh., wahrscheinlich noch unter den Herren von Michalovice, wurde im Südteil des Gebirgsausläufers mit dem Bau einer Burg begonnen. Die Burg wurde dann von den Berkové aus Dubá fertiggebaut. Das Burgtorso ist heute im Herrenhof hinter dem Rathaus zu finden. Das Adelgeschlecht aus Dubá besass Úštěk bis zu dem Jahre 1426, als es an den Hussitenhauptmann Václav Carda aus Petrovice verkauft wurde. Damals gehörten zu Úštěk die Dörfer Lukov, Líčenice, Ostré, Zimoř, Trnobrany, Habřina, Srdov, Vysoké, Brusov, Muckov, Levín, Bukovina, Lhota und Chotrčina.
Das dem Carda gehörende Herrschaftsgut Úštěk bildete die Nordgrenze des unter Einfluss der Hussiten liegenden Gebietes, darum gab es zwischen dem Hussienhauptmann Carda und den Herren aus Házmburk, Vartenberk und Smiřice oft Kriegskonflikte. Als dann Ústek vom Zikmund von Vartenberk erobert und geplündert wurde und Václav Carda aus der Gefangeschaft, in die er in der Schlacht bei Budyně im Jahre 1428 geriet, heimkam, wurde er sich endgültig der strategischen Bedeutung des Ortes bewusst und setzte die Befestigungsarbeiten fort. Die beiden Tore wurden verfestigt und an beiden Seiten des Gebirgsausläufers wuden Mauern mit mächtigen Türmen gebaut. Diese Bauweise, durch die die Burg ihren Platz inmitten der Stadt fand, war damals in Böhmen völlig unbekannt und bei Burgen höchst ungewöhnlich. Václav Carda befestigte nicht nur die Stadt, sondern er räumte ihr auch das Mailenrecht ein und befreite deren Bewohner von der Fronarbeit.
Im Jahre 1475 übernahm das Adelsgeschlecht Sezimové aus Ústí durch eine Trauung das Úštěk-Herrschaftsgut. Sie waren berechtigt, den Ehrentitel "Erbschneider des böhmischen Königtums" zu tragen. Es war ihr Recht, bei den offiziellen" Festmählern über das Schneiden von Speisen für den König Aufsicht zu führen. Das Adelsgeschlecht erweiterte bald seinen ursprünglichen Namen auf Sezimové von Ústí und auf Úštěk.
Die Sezimové setzten die intensiven Befestigungsarbeiten der Stadt nicht fort, führten aber den Umbau des beschädigten deutschen und böhmischen Tores durch. Dabei wurden in das Mauerwerk beider Tore Sandstein-platten mit tschechisch geschriebenen Texten eingesetzt. Der Text der an dem öst-lichen, deutschen Tor angebrachten Platte berichtete, dass "der gestrenge Herr Jan Sezima von Ústí und auf Úštěk, dieses Tor am 5. Mai 1560 renovieren liess". Der tschechische Text auf der, bis heute erhaltenen, Platte ist ein Beweis dafür, dass Tschechisch sowohl im umgangssprachlichen als auch im amtssprachlichen Verkehr verwendet wurde.
Unter der Herrschaft der Sezimové wuchsen rasch die beiden Vorstädte und vor allem Podolec, der Ort am Zusammenfluss des Úštěcký und Loubní Bach. In der Stadt gab es eine Brauerei, drei Teiche und, einschliesslich der Vorstädte, 179 Häuser mit etwa 1.000 Menschen. Ihrer Grosse nach war die Stadt also mit den benachbarten Städten Mělník oder Ústí nad Labem vergleichbar. Die Sezimové besassen 46 Dörfer. Erst die Niederlage der böhmischen Stände auf dem Weissen Berg im Jahre 1620 bedeutete das Ende der Glanzzeit dieses Adelsgeschlechtes. Da sie sich den Habsburgern widersetzten, verloren sie schrittweise ihr sämtliches Gut einschliesslich des Herrenschaftsgutes Úštěk.
Das Herrenschaftsgut Úštěk wurde ihnen im Jahre 1622 beschlagnahmt. Ein Teil davon fiel den Prager Jesuiten zu, einen anderen gewann der Oberst Jan Fürst Merode, der ihn aber im Jahre 1630 an die Jesuiten aus Litoměřice verkaufte. Bereits 1675 stand aber das ganze Herrschaftsgut unter dem Einfluss der Prager Jesuiten. Sie siedelten auf der Burg Úštěk, die sie für ihre Zwecke instand setzten. Mitte des 17. Jh. zogen sie in den neuen Sitz in Liběšice um und von hier aus verwalteten sie das Herrschaftsgut. Die Stadtburg Úštěk verlor dadurch ihre Rolle und funktionierte weiter nur als ein Verwaltungsgebäude. Die Jesuiten lösten den Friedhof um die St.Michael Kirche auf und liessen hier im Jahre 1722 ein neues Pfarrhaus bauen, höchstwahrscheinlich von Octavius Broggio, dem aus Italien stammenden Bauherrn aus Litoměrice. Die Kirche selbst wurde im Jahre 1764 abgerissen und bereits in 13 Tagen nach deren Abschaffung wurde hier mit dem Bau der St. Peter und Paul Kirche begonnen. Die neue Kirche wurde dann am 8.11.1767 eingeweiht.
Unter den Jesuiten wurden Gewerbe entfaltet und Zünfte gegründet. Auch die Landwirtschaft war nicht im Rückstand, vor allem das Anbauen von hochwertigen Hopfen trug zu dem Ruhm und der Entwicklung der Stadt wesentlich bei. An den Abhängen des Berges Budina und in dem Tal Tetčiněves wurden Weintrauben angebaut.
Verheerend war der Brand im Jahre 1765. Die meisten Häuser im Norden des Marktplatzes und ein großer Teil der Stadt im Südosten wurden vernichtet. Durch den Wiederaufbau bekam der Stadtkern die Gestalt, die er bis heute hat.
Die Jesuiten herrschten in Úštěk bis zum Jahre 1773, als ihr Orden von dem Papst Kliment XIV. aufgelöst und das Vermögen durch den Staat beschlagnahmt wurde. Der Religionsfond wurde zum Verwalter des Gutes und seit 1776 verwalteten die Beamten des Königlichen Studienfonds das Herrenschaftsgut Úštěk. Die beschränkte Fronarbeitspflicht verursachte aber, dass es an der billigen Arbeitskraft fehlte und das gewonnene Vermögen wurde schrittweise geteilt und verkauft. Auf den Gründstucken der Grundherrhöfe entstanden neue Siedlungen. Die Bürger aus Úštěk kauften im Jahre 1779 die Burg und ihre Umgebung und richteten hier eine Mälzerei ein. Die brauberechtigten Bürger besassen die Burg bis zum Jahre 1876. Der Jesuitenhof an dem Teich Barvíř wurde vom Mansvet Leitenberger gekauft, der hier eine Färberei baute. Sein Vermögen wurde vom J.J.Leitenberger, dem aus Levin stammenden größten Unternehmer Böhmens, um das Jahr 1800, übernommen. Das Gasthaus "Pod podloubím", bis 1948 "Herrenhaus" genannt, wurde im Jahre 1788 von František Linek aus Rašovice für 550 Gulden gekauft.
Úštěk besaß im 19. Jh. in den wirtschaftlichen, gerichtlichen und inneren Angelegenheiten eine Autonomie, was sich im dessen Aufschwung possitiv widerspiegelte. Es entstanden hier erste kleine Betriebe. J.J.Leitenberg besass eine Chemiegabrik, I. Kraus eine Punsch und Likörfabrik, D. Hirsch eine Fischbein und Nadelfabrik. In der Stadt gab es 173 Gewerbetreibende, die Stadt besass ein Rathaus, eine Schule, ein Fronarbeitsfort, zwei Gemeindeschuppen, ein Feuerwehrhaus, das Pikart Tor, das deutsche Tor und ein Spital. Seit dem Jahre 1788 gab es hier 2 Ärzte, seit 1803 die bis heute funktionierende Apotheke.
Im Jahre 1838 kaufte der Fürst Ferdinand von Lobkovic und Herzog aus Roudnice das Herrenschaftsgut Úštěk. Der Eigentumswechsel änderte das Leben der Stadt nicht wesentlich. Erst das Jahr 1849, als die neue Verwaltungsregelung vorbereitet wurde, beeinträchtigte das Stadüeben. Die Stadtrepräsentanten verpflichteten sich, das s sie auf eigene Kosten ein neues Gerichtsgebäude bauen, wenn Úštěk zum Gerichtskreis ernannt werden sollte. Als dann im September 1849 die neue territoriale Regelung in Kraft trat, wurden wirklich in Úštěk das Kreisgericht und das Steueramt errichtet. Der Gerichtskreis Úštěk funktionierte dann bis zum Jahre 1953. Wie versprochen kauften die Stadtrepräsentanten die Fleischbank auf dem Marktpalatz von den Fleischern und an deren Stelle wurde im August 1851 ein neues Gebäude, das heutige Rathaus, eröffnet, wo das Kreisgericht, das Steueramt und die Stadtvertretung ihren Platz fanden. Im August 1850 wurde dann die erste Gemeindevertretung gewählt.
Das neue Verwaltungssystem und die Ernennung der Stadt zum Gerichtskreis bedeutete viel für die Stadt. Vor allem im Handel mit Hopfen gewann Úštěk eine bedeutende Position sowohl auf den innländischen als auch auf den ausländischen Märkten. Besonders die Rothopfen-Sorte wurde im Ausland hoch geschätzt und gepriesen. Die Hopfenbauern und Kaufleute waren daran interessiert, dass ihr Hopfen mit anderen Sorten nicht verwechselt würde. Darum wurde hier eine Hopfenmarkierstelle errichtet und der hiesige Hopfen wurde unter der Marke "Úštěcký chmel" geliefert. Das Anbauen und der Handel mit Hopfen und teilweise auch das Anbauen von Obst beeinflussten wesentlich die Stadt. Es wurde eine neue Schule und in den beiden Vorstädten dann eine ganze Reihe von Gebäuden gebaut, die zu der Bearbeitung, Lagerung und Verpackung von Hopfen dienten. Dank dem Handel mit Hopfen behielt die Stadt ihre Bedeutung auch in dem vergangenen Jahrhundert.
Bis zum Ende des 2. Weltkrieges lebten in Úštěk vorwiegend Deutsche. Die meisten Tschechen zogen vor dem Kriegsausbruch ins Innland um. Vermögende Juden über standen den Krieg im Ausland, die anderen wurden zu Opfern der Naziwillkür. Im Juni 1945 wurde dann auf Grund des internationalen Abkommens mit der Aussiedlung der deutschen Familien nach Deutschland begonnen. Nach Úštěk kamen tschechische und slowakische Familien aus der ganzen ČSR, später auch Tschechen aus Wolynien.
Nach dem Jahre 1948 wurde die Landwirtschaft kollektivisiert und dabei diejenigen Bauern verfolgt, die ablehnten, in die Genossenschaften einzutreten. In den nächsten Jahren sank die Einwohnerzahl, weil die Bevölkerung in grössere Städte ging.
Im Jahre 1953 wurden im Rahmen der Reorganisation der Bezirksordnung die Gerichtskreise aufgelöst. Ein Teil des Gerichtskreises Úštěk fiel unter die Verwaltung in Česká Lípa, der Rest dann unter die in Litoměřice. Aus Úštěk wurde ein bedeutungsloses Provinzstädtchen. Bessere Zeiten für die Stadt brachen erst in den 50-er Jahren an, als Úštěk als Erholungsgebiet für das Nordböhmische Braunkohlenbecken beabsichtigt wurde. Es wurde der Bau des Teiches Chmelař aufgenommen und viele Erholungsobjekte wurden renoviert oder neu gebaut. Später wurde auf dem Gebiet des Herrenhofes das Kulturhaus gebaut, die Arbeiten an der Stadtumgehung und dem Siedlungsgebiet Pionýrů wurden angefangen.
Am Anfang der 90-er Jahre wurde das im nationalen Aufbauwerk gebaute Einkaufszentrum in der Straße Polské armády in Betrieb genommen. Das Vorhaben, dass sämtliche Geschäftsaktivitäten hier unter einem Dach konzentriert werden, realisierte sich nach dem November 1989 zum Glück nicht. Die Verbrauchergenossenschaft Jednota ging bankrott und die vorgesehene Privatisierung des Objektes scheiterte mehrmals. Versprechend zeigt sich zur Zeit die Möglichkeit, ein Sport und Erholungszentrum hier zu bauen.
Die Wende im November 1989 verlief in Úštěk ohne größere Emotionen. Erst Ende der 90-er Jahre gelang es sämtliche Möglichkeiten und Mittel besser auszunützen, die vom Staat und der kommunalen und privaten Sphära gewährt wurden. Als Beispiel können der Bau der Kanalisation und der Wasserkläranlage, die umfangreiche Gasinstalation und die konzentrierte Denkmalpflege im Stadtdenkmalgebiet genannt werden. Immer mehr Bewohner der Stadt werden sich der steigenden Bedeutung von Tourismus bewusst, was sich im besseren Niveau der Dienstleistungen widerspiegelt.
Auf Grund der letzten Reform der territorialen Ordnung ist Úštěk Bestandteil des Bezirkes Ústí nad Labem und fällt unter die beauftragte Stadt der III. Stufe Litoměřice. Als beauftragte Stadt der II. Stufe funktioniert Úštěk für die Gemeinden Úštěk, Liběšice, Chotiněves, Horní Repčice, Lovečkovice, Levín und deren Ortsteile. Das Einzugsgebiet beträgt etwa 5.000 Einwohner.
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